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Berichte unserer Volontäre

Piet und Crissi
  Christin Peters und Holger Peters aus Chemnitz

"Abenteuer Rurre" im April 2012

Wir sind Piet (29, Techniker Maschinenbau) und Chrissi (26, Bio-Studentin) aus Chemnitz. Als reiselustiges und naturverbundenes Pärchen verfolgen wir schon seit längerem diverse Vortragsreihen anderer reisefreudiger Mitmenschen. Auf diesem Weg wurden wir schon vor ca. 5 Jahren auf Ilka und Torsten mit ihrem Projekt Regenzeit aufmerksam. Nach einem persönlichen Besuch in ihrem Aktivreisehof dauerte es noch ca. 1,5 Jahre, bis wir Rurre und die Estacion Jaguarete endlich hautnah kennenlernen durften...

Das "Abenteuer Rurre" begann für uns schon auf der Hinfahrt. Denn um dieses Dschungelstädtchen von La Paz aus zu erreichen gibt es nur 2 Möglichkeiten - entweder einen 40 minuetigen Flug über die Anden mit einer wenig vertrauenserweckenden 2-Propellermaschiene, oder ca. 20 Std. Bus fahren. Da Bus fahren erheblich billiger ist, entschieden wir uns natürlich für die Klapperkiste auf 4 Rädern. Im Reiseführer wurden wir bereits vorgewarnt - während der Regenzeit sei diese Strecke (La Paz - Rurre), welche zu den gefährlichsten Straßen weltweit zählt, ein wahrer Höllentrip! Und unser Reiseführer sollte Recht behalten... Die Straße ist total schmal, sehr schlammig, überall gibt es Erdrutsche und es geht extrem steil abwärts. An manchen Stellen sogar bis zu 1km! - das alles natürlich ohne Leitplanke... Dazu kommt dann auch noch Gegenverkehr - und eh man sich versieht trennen einen nur noch wenige Zentimeter vom freien Fall! Das sorgte bei uns für 22 Std. pures Adrenalin! Selbst die busfahrroutinierten Bolivianer lässt diese Strecke nicht kalt... Letzten Endes wurde aber alles gut - wir erreichten unser Ziel gesund und munter und brauchten "nur" 22 Std. für die 450 km (in der Regenzeit sind 30-40 Std. keine Seltenheit).

Endlich angekommen im freundlich-entspannten Rurrenabaque am Rio Beni wurden wir von tropischer Hitze empfangen. Nach einer Mütze Schlaf machten wir uns auf durch die Straßen von Rurre, in denen es deutlich mehr Mopeds als Autos gibt, zum Cafe Jungla. Dort trafen wir auf Torsten, Ilka und Cachi. Die Freude war groß und wir verbrachten den ersten feuchtfröhlichen Abend miteinander.

Schon am nächsten Tag fuhren wir zum 1.Mal gemeinsam mit dem Jeep zur Tierstation, ca. 14km von Rurre entfernt. Der Weg dorthin ist für sich genommen schon ein Erlebnis! Der schlammige, mit tiefen Pfützen versehene Pfad führte uns bereits an den ersten Baumriesen und Lagunen vorbei... Später sollte Piet auf diesem Weg seine ersten Motocross-Erfahrungen sammeln. Wir bekamen nämlich ein Moped gestellt, auf dem wir jede Woche, gemeinsam mit unserem großen Rucksack mit dem Essen und unserem Zeugs für die ganze Woche, raus zur Station fuhren. Wir passten uns also ganz den Gegebenheiten von Rurre an. Denn hier finden - für deutsche Verhältnisse undenkbar - locker 3-4 Personen auf einem Moped Platz (Kleinkinder nicht mit eingerechnet)

Angekommen auf der Station, welche sich inmitten eines wunderschönen Primärurwalds befindet, hatten wir das Paradies vor Augen! Dieses teilten wir von nun an mit den Arbeitern Marco und Piqui, den einem alle Nerven raubenden Nasenbären Maria und Pedro, unserem Sonnenschein - der Klammeraffendame Christa, und der leider gewöhnlichen, jedoch sympathischen Hauskatze Panthera. Dazu Millionen von Moskitos, jede Menge Taranteln, Schmetterlinge und anderes Fliegzeugs, Kakerlaken, Frösche auf dem Klo und Fledermäuse im Schlafraum. Man hört außerdem täglich Papageien und Tukane und ab und zu auch mal 'nen Brüllaffen oder sogar einen Ozelot. Die Nächte sind laut, vor allem die Frösche machen die unmöglichsten Geräusche und fühlen sich besonders nach dem Regen hörbar wohl!

Für unser kulinarisches Wohl sorgte die hauseigene Plantage - 5 verschiedene Bananensorten, Carambolas (Sternfrucht), Copasu und viele, viele Citrusfrüchte bescherten uns täglich einen Gaumenschmaus!

Die Station selbst ist wunderbar komfortabel - bequeme Betten mit guten Moskitonetzen sorgen für stichfreie Nächte, außerdem gibt's nen Comedor (Essensraum), eine Küche mit Kochstelle auf offenem Feuer und 'ne Toilette mit Eimer zum Spülen. Geduscht wird sich mit Tonne und Eimerchen. Das Wasser dafür holt man sich vorher aus dem hauseigenen Brunnen (der liefert sogar sauberes Trinkwasser!). Die einen dabei von oben neugierig beobachtende Christa und der von unten lauernde Nasenbär Pedro sorgten dabei für ein völlig neues Duscherlebnis!

Von der Station aus sind verschiedene Naturlehrpfade angelegt, auf denen man eine ganze Menge, speziell über Nutz-und Medizinpflanzen, lernen kann. Die Vielfalt ist atemberaubend! Es wimmelt nur so von Lianen, Epiphyten, Palmen, Bromelien und Riesenbäumen mit beeindruckenden Brett-und Stelzwurzeln und und, und... Ein grünes Paradies!!! Und um das Gefühl "mittendrin" zu sein noch etwas zu intensivieren, geben sich die Moskitos alle Mühe einem immer ganz nah zu sein . Auf den Pfaden sieht man des Öfteren sogar Spuren von Tapir, Ozelot und Schweinen... und ab und zu läuft einem eine Buna" über den Weg. Das ist eine ziemlich groß geratene Ameise, die auch "24" genannt wird. Dieses kleine Biest beißt nämlich nicht, sondern sie sticht und injiziert ihr Gift damit tiefer in den Körper, was ungünstiger Weise einen starken Schmerz zur Folge hat. Aber diese Erfahrung ist uns glücklicherweise erspart geblieben...

Unsere Aufgabe bestand in erster Linie darin, gemeinsam mit den Arbeitern Piqui und Marco die Infrastruktur der Station in Stand zu halten und ihr den letzten Schliff zu verpassen. Dazu gehörte u.a.: Herstellung von Bänken und Tischen, Bau eines Häuschens für Nasenbären und Affen, Felder mit Rasentrimmer freihalten, Wege und Kaffeeplantage mit Machete freischlagen, Beschilderungen basteln, Stationsplan malen usw.... Während unserer Zeit als Volontäre waren keine Tierbabys auf der Station, wodurch sich die Arbeit größtenteils auf diese eher handwerklichen Tätigkeiten konzentrierte. Bei der hohen Luftfeuchte und Hitze kommt man dabei natürlich ganz schön in's Schwitzen! Nach der ersten Woche waren wir zugegebenermaßen total fertig, aber man gewöhnt sich daran! Erst in den letzten Tagen fand Marco 2 kleine verwaiste Taubenküken, welche wir dann 3mal täglich per Hand fütterten. Auch die Nasenbären hielten uns jeden Tag auf Trab und vor allem die Klammeraffendame Christa brauchte täglich eine große Portion Zuwendung und Liebe.

Während unserer 4 Wochen auf Station hatten wir auch das besondere Vergnügen, ein Dreifinger-Faultier kennenzulernen. Das arme Ding klammerte sich im Hostal von Ilka und Torsten verzweifelt an einen roten Plasteeimer. Die beiden zögerten nicht lang, befreiten dieses faszinierende Geschöpf aus seiner miesen Lage und brachten es auf die Station. Da Dreifinger-Faultiere nur sehr wenige spezielle Arten von Ameisenbäumen fressen, wurde es bereits nach wenigen Tagen in die Freiheit entlassen. Ein toller Moment! Nach reichlich einer Woche stattete es uns sogar nochmal einen Besuch ab - wahrscheinlich um Wasser zu finden. Es sah richtig erholt aus und lächelte uns mit seinem hübschen Gesicht an!

Ein weiteres Highlight der ganz anderen Sorte bescherte uns das Team des MDR. Dieses war für Dreharbeiten für 2 Tage zu Gast auf der Tierstation. Für uns natürlich super interessant so etwas live mitzuerleben! Bei der Sendung "mach dich ran" kann bzw. konnte man in 4 Sendungen einiges über La Paz, die Spende eines Mikroskops von Carl Zeiss Jena an die Fundaciòn Rio Beni, die Estacion Jaguarete, die medizinische Versorgungstour und die abenteuerliche Straße Rurre-La Paz bestaunen. Am Abend wurde mit dem gesamten Fernsehteam gefeiert. Als sich dieser dann dem Ende neigte und alle so langsam müde wurden, hatte Torsten die fixe Idee, man könne doch noch die 45Min. zur Lagune laufen, um evtl. Kaimane (besser gesagt: Kaimanaugen im Taschenlampenlicht) zu sehen. Wahrscheinlich aufgrund der großen Anzahl an Leuten hielten sich diese jedoch leider recht bedeckt. Doch wurden wir trotzdem noch für unseren nächtlichen Elan belohnt. Auf halber Strecke sichteten wir eine Korallenschlange!! Wunderschön! - aber auch schön giftig...:-)

Auch an den Wochenenden wurde es uns nicht langweilig. Nach einem Nickerchen in der Hängematte trafen sich jeden Samstag einige Leute aus Rurre, die etwas mit Entwicklungshilfe zu tun haben zum "futbolino" (Tischfußball). Alles sehr, sehr liebe Leute, die uns den Aufenthalt in Rurre versüßten... Darunter Roselo von der Fundacion Rio Beni mit seiner Frau Tania (Lehrerin), die 2 lieben Franzosen Thomas und Sophie, Torsten, Ilka und Cachi.

Die Zeit raste dahin und bald war die letzte Woche auf Station gekommen. Um die letzten Tage mit etwas besonderem zu gestalten, nahmen uns Marco und Piqui mit zum Angeln. Bei Einbruch der Dunkelheit machten wir uns auf den Weg Richtung Lagune. Nur zu viert und ohne Alkoholeinfluss wie beim letzten nächtlichen Ausflug mit den Kameraleuten war das für uns schon eine ziemlich aufregende Sache... Diesmal hatten wir auch mehr Glück mit den Kaimanen. Unser Taschenlampenlicht wurde von roten Kaimanaugen reflektiert! Auch Piet kam auf seine Kosten - er angelte einen über 1m langen Aal.

Mit einer abschließenden Parillada gingen 4 wunderschöne Wochen zu Ende und wir verabschiedeten uns schweren Herzens von unserem Paradies auf Erden...